Archiv für November 2010

Rassismus überwinden – 20. Todestag von Amadeu Antonio

[AB60] Am 6. Dezember 1990 starb Amadeu Antonio Kiowa im brandenburgischen Eberswalde infolge eines rassistischen Übergriffes. Nachdem die Deutschen 1989 beschlossen hatten, dass sie DAS Volk seien, haben sie angefangen, dies all jene spüren zu lassen, welche ihrer Ansicht nach nicht zum vermeintlichen „Volk“ gehören: Mit dem Mord an Amadeu Antonio Kiowa begann am 6. Dezember 1990 eine Welle rassistischer Gewalt, durch die bis heute über 100 Menschen zu Tode gekommen sind. Diese Gewaltwelle ist nicht das Werk einer kriminellen Randgruppe aus der rechten Szene, sondern sie wird ermöglicht durch rassistische Tendenzen, die sich durch die gesamte Gesellschaft ziehen.

Amadeu Antonio kam als Vertragsarbeiter von Luanda (Angola) nach Eberswalde. Nach Ablauf seines Vertrages und der politischen Wende konnte er in Eberswalde bleiben, da seine deutsche Freundin schwanger war. Sein Kind konnte er allerdings
nie kennen lernen. Am 25. November 1990 wurde Amadeu Antonio von einer Gruppe neonazistischer Skinheads brutal zusammengeschlagen. Er fiel ins Koma und verstarb wenige Tage später, am 6. Dezember, in Folge der schweren Verletzungen.

Bei dem Übergriff auf ihn sollen Polizisten zugegen gewesen sein, die nicht in das Geschehen eingriffen. Nur einige der Angreifer mussten sich vor Gericht verantworten und kamen mit geringen Strafen, z.T. auf Bewährung ausgesetzt, davon.
Und das war erst der Anfang – bei den Pogromen in Hoyerswerda und Lichtenhagen trafen aktive Nazis auf das Wohlwollen der lokalen Bevölkerung. Viele weitere rassistische Übergriffe sollten folgen. Bis heute ist Rassismus fester Bestandteil der Gesellschaft. Dabei sind die Vorurteile so alltäglich, dass sie nicht als solche wahrgenommen werden. Man gibt sich aufgeklärt und offen gegenüber realen oder vermeintlichen Migrant_innen im eigenen Umfeld, aber ist dennoch fest davon überzeugt,
dass etwa ein Spaziergang durch die Berliner Bezirke „Neukölln“ oder „Wedding“ gefährlich sei, wegen der „ausländischen Banden“.

Solange jedoch solche Ressentiments zum Alltag gehören, werden es rassistische Morde wie der an Amadeu Antonio ebenfalls. Struktureller Rassismus, der durch die Residenzpflicht[1]und das Gutscheinsystem seit vielen Jahren in Brandenburg
etabliert wurde, befördert das rassistische Klima in der Gesellschaft. Dem gilt es sich entgegenzustellen.

Die Barnimer Kampagne „Light me Amadeu“ setzt sich seit vielen Jahren aktiv gegen Rassismus ein. Am 6. Dezember, dem Todestag von Amadeu Antonio, findet eine Gedenkfeier in Eberswalde statt. Und am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, ruft die Kampagne mit der Unterstützung verschiedener Vereine und Organisationen zu einer
Demonstration gegen Rassismus, Residenzpflicht und das Gutscheinsystem in Eberswalde auf.

Lasst uns Antonio gedenken und für eine tolerantere, freiheitliche gesellschaft eintreten.
Gegen Rassismus – im Staat, im Alltag und in den Köpfen.

Text des Antifaschistischen Bündnis 60, erschienen in der “Rosen auf den Weg gestreut”, Ausgabe 14.

>>> Das Antifaschistische Bündnis 60 ist ein Zusammenschluss von Antifas und Solids aus Bernau, Eberswalde und Bad Freienwalde. Mehr zum Bündnis erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe der „Rosen auf den Weg gestreut“.

Durch die sogenannte „Residenzpflicht“ ist es Asylsuchenden verboten, den Landkreis, in dem sie leben, zu verlassen. In Brandenburg und Berlin gab es zuletzt kleine Korrekturen, die jedoch nur wenigen Betroffenen helfen.