Bildungsdesaster in Brandenburg

Überfüllte Hörsäle, Unterrichtsausfall, Studienplatzmangel im Bachelor und im Masterbereich – verursacht durch doppelte Abiturjahrgänge, die Aussetzung der Wehrpflicht und die chronische Unterfinanzierung unseres Bildungswesens. Das ist der alltägliche Wahnsinn im Bildungssektor.
Brandenburg ist das Bundesland, welches am wenigsten Geld in die Bildung investiert und somit schon seit Jahren das traurige Schlusslicht im bundesweiten Vergleich ist, weil die Hochschulen schon heute chronisch unterfinanziert sind. Durch die nun von der rot-roten Regierung verhängte Haushaltssperre verschlimmert sich die Lage aber zu sehens, da nun 27,4 Mio. Euro gekürzt werden. Diese Einsparungen gehen direkt an die Substanz der Hochschulen, da sie 11% des Gesamtetats betragen. Dies hat zur Folge, dass die Hochschulen bis 2020 17% ihres Personals abbauen müssen, was auf Kosten der Studierenden und der Lehrqualität geht.
Außerdem wurde eine Hochschulstrukturkommission vom brandenburgischen Wissenschaftsministerium gegründet, die die Arbeit der Hochschulen analysiert und daraus Vorschläge für Einsparungen erarbeiten soll. Ziel ist es ganze Hochschulen zu schließen oder zusammen zu legen, kontinuierlich Studiengänge wie BWL, „Bindestrich-Informatik“, Jura und Bauwesen abzubauen und dafür teilweise neue Studiengänge wie Sonderschulpädagogik, Gesundheitswesen (vor allem Pflegeberufe) und Landwirtschaft aufzubauen. Der Aufbau neuer Studiengänge kostet aber etwa weitere 10 Mio. Euro, welche beim alltäglichen Bedarf fehlen werden. Somit belaufen sich die Einsparungen real etwa auf 37 Mio. Euro. Die Folgen für die Zukunft sind unvermeidlich, denn durch die Einsparungen wird die brandenburgische Hochschullandschaft kleiner und einfältiger, statt wettbewerbsfähiger, vielfältiger und fortschrittlicher. Dies hat aber auch Auswirkungen auf das Bundesland selber, denn die Hochschulen sind auch ein wichtiger ökonomischer Standortfaktor für die regionale Wirtschaft und spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des ländlichen Raumes.
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Der demographische Wandel, der gerade in den östlichen Bundesländern wie Brandenburg für eine kontinuierliche Bevölkerungsabnahme in den ländlichen Regionen sorgt, ist nur eine Ursache des Fachkräftemangels. Dieser ist vor allem Haus gemacht, das bedeutet, dass es beispielsweise nicht genug Studienplätze für die brandenburgischen Abiturienten gibt, um hier ihre Ausbildung fortzusetzen und somit der Region erhalten zu bleiben. So werden die wenigen jungen Menschen, die es hier noch gibt, der Chance beraubt, hier zu leben und zu arbeiten.
Des Weiteren gehen die Einsparungen im wahrsten Sinne des Wortes an die Existenz der Hochschulen, so müsste die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) höchstwahrscheinlich schließen, wenn die Hochschulstrukturkommission die BWL-Studiengänge wegkürzt, da sie dann als kleinster Hochschulstandort Brandenburgs nicht mehr genug Studierende hat, um den Standort wirtschaftlich halten zu können. Die Fachhochschule Lausitz und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus werden auf jeden Fall zusammen rationalisiert. Des Weiteren sorgen die Einsparungen auch für ein unsolidarisches Hauen und Stechen zwischen den Hochschulen, da sie gegeneinander um die Gelder konkurrieren müssen, somit wird die kapitalistische Ellenbogenmentalität auch in den Bildungsbereich getragen.
Nun kommen diese drastischen Einsparungen im Bildungsbereich nicht von ungefähr. Erinnern wir uns zwei Jahre zurück, wo auf Grund der von den Finanzmarktspekulanten verursachten Wirtschaftskrise Milliarden an Steuergeldern in Bankenrettungspakete investiert wurden, die jetzt natürliche überall fehlen und auf Kosten der Menschen wieder eingespart werden müssen, d.h. wir zahlen die Zeche für die reichen Spekulanten. Außerdem sind die Umstrukturierungen der Bildung nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den so genannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Auch hier hier gilt wie überall im Kapitalismus: Profit ist wichtiger als Leben.
Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen, sollten wir Betroffenen, SchülerInnen, StudentInnen, Lehrende und Wissenschaftliche Mitarbeiter uns selbst organisieren, um dem ausbeuterischen Kapitalismus und seiner herrschenden Bourgeoisie etwas entgegen zu setzen. Wir dürfen uns nicht weiter wehrlos der Macht des Kapitals ergeben und ausnutzen lassen, damit einige wenige im Reichtum schwelgen können.
Bildung ist ein Menschenrecht!

Um die sozialen Kämpfe zu vereinen, um die Kräfte zu bündeln und auch, um die politische Diskussion weiterzuführen, sollten wir ein Delegiertenbündnis für die Bildungsbewegung organisieren, wo alle gleichberechtigt und emanzipiert Alternativen zum bestehenden Bildungssystem entwickeln und für diese kämpfen.
Konkret bedeutet das, die Bildung von Streikkomitees in Schulen, Hochschulen und Betrieben, um kurzfristig gegen die Kürzungen im Bildungsbereich zu kämpfen und langfristig gegen die Herrschaft der Kapitalistenklasse und ihres Staates aktiv zu werden, denn nur wenn der Kapitalismus abgeschafft ist und wir an seiner Stelle eine selbstbestimmte und gerechte Rätedemokratie setzen, kann die Welt gerechter für alle Menschen selbstgestaltet werden ohne Unterdrückung und Ausbeutung. Aber um den Protest wirksam machen zu können, müssen wir den Kampf gegen die Angriffe auf die Jugend als Teil eines Kampfes der Lohnabhängigen und Arbeitslosen verstehen und uns gemeinsam mit allen organisieren.